ZWISCHEN PRODUKTION UND CHEFETAGE
Leadership-Notizen aus dem Maschinenraum der Industrie
Brief #01: Ich betrete den Seminarraum. 12 Schichtführer blicken mich an. Die Jüngeren zweifelnd. Die
Älteren eher gelangweilt. Gesichtsausdruck Marke „Schon wieder einer, der uns erklärt, wo der Hammer hängt.“
Hier stehen Männer, die insgeheim wissen wollen, ob ich weiß, wovon ich spreche, oder ob ich aus einem Lehrbuch plaudere. Mit Buzzwords kann ich
Geschäftsführer und CEOs beeindrucken, aber nicht Führungskräfte, die an der Basis arbeiten.
Ich starte mit einer Begrüßungsfolie. Spreche an, was sie sich vermutlich gerade denken. Einige lächeln darauf sogar. Ich erzähle Ihnen, wie ich als
Jugendlicher erlebt habe, wie mein Vater arbeitslos geworden ist. Wie mich das geprägt hat. Von den Stationen meiner Laufbahn als Führungskraft: Militärisch wie zivil. Von der Zeit, als ich ein
Unternehmen mit einer Mitarbeiterin gegründet und es mit 530 Mitarbeitenden verkauft habe. Dass ich alle Hochs und Tiefs, alle Enttäuschungen und Freuden mit Mitarbeitenden selbst erlebt, selbst
durchgemacht habe.
Langsam verändert sich die Körpersprache meiner Zuhörer. Sie hören mir zu – und ich Ihnen. Wir durften einander kennenlernen. Wir konnten Beziehung aufbauen.
Meine Schichtführer verabschieden sich mit Handschlag von mir. Ich freue mich auf das nächste Mal.
Am Beamer strahlt noch immer die Willkommensfolie …
Meine Lessons learned:
1. Beziehungsaufbau ist die Grundlage für Wissensvermittlung.
2. Wenn Dir Dein Auftragsgeber dafür keine Zeit od. finanzielle Mittel einräumt, mache es, wenn Du Geld brauchst, aber lass die Finger weg, wenn Du wirklich
was bewegen willst.
3. Powerpoint ist gut zum Visualisieren, darf aber nicht zum “betreuten Lesen” verkommen.
4. Bringe Dich, Deine Werte und Deine berufliche Erfahrung ein: Mit Deinen Siegen, aber auch mit Deinen
Niederlagen.
5. Führungskräfte an der Basis wollen Vortragende, die ihre Sprache sprechen und keine Buzzword-Spezialisten.